Der NSU und institutioneller Rassismus – mit Seda Basay-Yildiz

Plakat Tag der Solidarität 2018. Porträtfoto des lächelnden Mehmet Kubasik, Liste mit Terminen des Programms.

Plakatmotiv Tag der Solidarität 2018

Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubaşık in Dortmund ermordet. Er war das achte Todesopfer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds. Dass die terroristische Gruppe 13 Jahre lang im Untergrund agieren und zehn Menschen ermorden und mindestens drei Bombenanschläge verüben konnte, liegt auch daran, dass Sicherheits- und Justizbehörden in ihrer Arbeit strukturell versagt haben. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn von strukturellem und institutionellem Rassismus die Rede ist? Und warum richtet sich Aufmerksamkeit so oft auf die Täter_innen und so wenig auf die Opfer? Das erörtert am 23. April Seda Basay-Yildiz, Nebenklagevertreterin der Familie Şimşek im NSU-Prozess, am Campus der TU Dortmund. 

Auch nach den Morden, die erst Jahre später dem NSU zugeordnet wurden, waren die Ermittlungen vom Rassismus geprägt. Die Einheiten der Polizei, die die Fälle bearbeiteten, trugen Namen, wie „SoKo Bosporus“, im Allgemeinen wurden die Morde als „Dönermorde“ betitelt. Die Ermittlungen wurden absichtlich und immer wieder in eine Richtung gedrängt: Dass die Opfer kriminell seien oder sich innerhalb der Community „Ausländer“ gegenseitig umbringen würden. Geliebte und Beziehungen zur Mafia wurden erfunden, die Angehörigen kriminalisiert. Die Tatsache, dass die Morde rassistisch motiviert sein könnten, einfach ignoriert. Das Umgehen mit der Mordserie ist nicht zuletzt der Ausdruck davon, wie viel Rassismus tatsächlich in den Ermittlungsbehörden herrscht. Weitere Morde hätten verhindert werden können, wenn die Ermittlungsbehörden den Hinterbliebenen zugehört hätten.

Rassismus in seiner extremsten Form begegnet uns bei Angriffen auf Geflüchtetenheime, bei Demonstrationen von Neo-Nazis oder bei rassistisch motivierten Angriffen – oder im Fall des NSU bei Morden. Dass Rassismus jedoch kein Randproblem ist, sondern eine gesellschaftliche Tragweite hat, zeigen rassistische Praktiken, die uns in unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens begegnen.

Wenn wir von institutionellem bzw. strukturellem Rassismus sprechen, heißt es nicht nur Behörden und Einrichtungen zu beobachten, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Seit einigen Jahren kann beobachtet werden, wie der Rassismus sich immer stärker in die Mitte der Gesellschaft bewegt. Dinge, die vor einigen Jahren noch niemand öffentlich gesagt hätte, für die man sich geschämt hätte, scheinen jetzt schon fast „ok“ zu sein. „Das darf man ja wohl noch sagen können“ ist der Satz, der sich wie ein Bandwurm in der Gesellschaft festgefressen hat. Es kann bestimmt nicht behauptet werden, dass es Rassismus vor einigen Jahren noch weniger gegeben hätte, doch war die Hemmschwelle größer, sich in unreflektierten Vorurteilen zu ergehen.

Was also soll man jetzt tun? Sich dieser Situation ergeben? Wir haben noch viel vor uns, wenn man sich die ganzen Umstände vor Augen führt. Aber unsere Antwort wird es sein dagegen zu kämpfen und Rassismus aus den Köpfen zu vertreiben. Um für eine Zukunft einzustehen, in der wir gemeinsam in Frieden und Solidarität miteinander leben – und nicht rassistischer Stimmungsmache verfallen.

Der NSU-Komplex und institutioneller Rassismus

Vortrag und Diskussion mit Seda Basay-Yildiz

am Montag. 23. April 2018, 18 Uhr

im AStA-Seminarraum, Emil-Figge-Straße 50, TU Dortmund, Campus Nord


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